Not very long ago the mere suggestion of performing Bach’s solo violin works with minimal vibrato on a Baroque fiddle would have had string players covering their ears and howling with imagined pain. And now here is Maya Homburger not only bringing it off, but coping with the fistfuls of chords and intricate part-writing of the G minor Sonata with the kind of lightness, grace and precision one would hardly have expected from an old-school virtuoso.

I hope I don’t have to wait too long to hear her take on the awe-inspiring Fugue from the C major Sonata. The B minor Partita has similar strengths: not without feeling, but predominantly sprightly and elegant, the character of the dance always present, in only in the background.

Between these two works comes Barry Guy’s Inachis, inspired by the emergence of a butterfly from its chrysalis – a tad long at quarter of an hour, but imaginative and ingenious for much of its length, and showing the Baroque violin to have an unexpected facility for producing insect noises.

The recordings do full justice to Homburger’s fine phrasing and refined tone, with the spacious acoustic never allowed to swamp the detail.

Stephen Johnson, BBC Music Magazine, March 2004

Brückenschlag

Die in der Schweiz geborene Violinistin Maya Homburger bewegt sich in verschiedenen Welten. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Komponisten und Kontrabassisten Barry Guy, spielt sie in einem Duo, das den Brückenschlag zwischen Barockmusik, Jazz und Neuer Musik wagt. Auf der vorliegenden CD kombiniert Maya Homburger, die von Haus aus Barockgeigerin ist, zwei Werke für Solovioline von Johann Sebastian Bach mit dem Solostück „Inachis“ von Guy. Homburgers Bach-Spiel lebt von einer schier unerschöpflichen Freiheit im Detail, die aber nie willkürlich wirkt, sondern an den formalen Eckpunkten der Sätze verankert ist. Das Adagio der ersten Sonate und die Allemande der ersten Partita kommen einem, bildlich gesprochen, wie das freie Gleiten eines Vogels in einer unberührten Landschaft vor. Und die rhythmisch strengeren Sätze sind von einer organischen Natürlichkeit geprägt, die man selten hört. Bilder von Natur und Schwerelosigkeit drängen sich auch in Guys „Inachis“ (Name einer Schmetterlingsart) auf. Die musikalische Reise entwickelt sich aus dem Einklang und aus der Obertonreihe heraus, sie schreitet dann quasi improvisierend voran, und doch stellen sich immer wieder Bezüge zu vorangegangenen Abschnitten ein. Und weil die Geigerin „Inachis“ in die Mitte zwischen die Sonate und die Partita stellt, ergeben sich auch Querverbindungen über Jahrhunderte und die Stile hinweg.

NZZ, 1 July 2004